Okja: der erste Netflix-Film

Okja: der erste Netflix-Film

Heute veröffentlichte Netflix der erste Film aus der Eigenproduktion. „Okja“ ist ein amerikanisch-südkoreanischer Film, der unter Bong Joon-ho als Regisseur gefilmt wurde. Der Film ist für mich die perfekte Kombination aus Gesellschaftskritik und Kinder-Animations-Film mit einem Hauch Disney.

Besetzung

In der Besetzung finden sich in der westlichen Filmkultur bekannte Namen wie Lily Collins, Jake Gyllenhall und Tilda Swinton wieder. Die Hauptrolle besetzt allerdings die südkoreanische Ahn Seo-hyun. Sie spielt das kleine Mädchen Mija, das auf einer abgelegenen Farm mit seinem Großvater lebt.

Handlung

Im Alter von vier Jahren bekam Mija eine Art Haustier: das Superschwein Okja, das fortan Teil der Familie wurde. Dieses wurde, wie viele andere Superschweine, von der Organisation „Mirando“ erzeugt und an verschiedenen Orten auf der Welt untergebracht. Das Schwein, das am besten abschneiden würde, wird das erste beste Superschwein. Dieses wird in einer Parade vorgeführt und gefeiert. Danach soll es, wie alle anderen, geschlachtet werden, da es „einfach verdammt gut schmeckt“. Die Verbindung von Mija und Okja ist über die Jahre so stark geworden, dass sie sich auch ohne Worte verstehen. Sie würde das jeweilig eigene Leben für den anderen riskieren.

Mija versucht Okja zu retten und reist deshalb von ihrem Heimatort nahe Seoul bis nach Amerika. ALF, die Animal Liberation Front, setzt sich im Film in der perfekten Menge gegen Tierhaltung ein und hilft Mija, Okja wieder mit in die Berge, in ihr Zuhause, mitnehen zu können. Die perfekte Menge ergibt sich für mich aus folgenden Eigenschaften: solange sie körperlich nicht angegriffen werden, verletzen sie niemand anderen körperlich. Sie wirken trotz ihrer klaren Prinzipien menschlich, denn auch Menschen machen Fehler und treffen manchmal moralisch verwerfliche Entscheidungen, um dem großen Ganzen beizusteuern: dem Ende der Massentierhaltung, insbesondere der im Film zentralen Superschweine.

Die Rettungsaktion resultiert darin, dass ALF Okja an Mirando zurückgibt. Allerdings mit einer versteckten Kamera im Ohr. Diese soll die abartigen Geschehnisse hinter den Vorhängen von Mirando dokumentieren. Mirando will mit ihrem Fleisch den Welthunger besiegen, und das ohne Genmanipulation und auch noch umweltfreundlich. Die Probanden des Fleischs, ausgewählt von Mirando, die schätzungsweise der Mittel- und Oberschicht angehörten, stellen anscheinend auch Opfer des Welthungers dar.

Höhepunkt (?)

Höhepunkt deshalb, weil für einen mitfühlenden Menschen der ganze Film als Höhepunkt gesehen werden kann. Mija sucht im Schlachthaus verzweifelt nach Okja und findet sie kurz vor ihrer Ermordung. Mija bietet der Leitung der Mirando-Organisation ein wertvolles goldenes Schwein, das sie von ihrem Großvater geschenkt bekommen hat. Im Gegenzug will sie Okja wieder mit nach Hause nehmen. Als Nancy Mirando, ehemalige Inhaberin von Mirando, den Wert des Goldschweins erkennt, geht sie den Deal ein und fordert einen problemlosen Transport der beiden in ihre Heimatstadt. Frei nach dem Motto „das Wertvollere gewinnt“. Beim Verlassen des Schlachthauses sieht man die hunderten Schweine, die hinter Elektrozäunen auf ihren Tod warten. Ein kleines Superschwein kann entwischen und wird von Mija aufgenommen.

Bedeutung

Das ironische Konzept des besiegten Welthungers dank einer Massentierhaltung sogenannter Superschweine, die wenig Futter benötigen und somit wenige Ausscheidungen geben, stellt Netflix gekonnt dar. Die Szenen im Schlachthaus werden sowohl realistisch als auch „nicht zu brutal“ dargestellt. Der Kapitalismus der Tierindustrie wurde besonders am Ende klar deutlich.

Außerdem erkennt man, dass das vermögenbringende Goldschwein wichtiger ist, als das lebendige, fühlende Tier. Geld geht schließlich vor. Ist das nun ein Happy End? Okja lebt und kann wieder mit Mija zurück in die Berge.  Ein Happy End insofern, dass Mija und ALF zwei Tiere retten konnten. Ein Happy End insofern, dass die Hauptpersonen (Mija + Okja) leben und glücklich sind. Aber dennoch sterben die restlichen hundert Schweine und viele viele mehr. Obwohl ALF geheime Aufnahmen der Vorgehensweisen von Mirando veröffentlicht haben, ist sicher, dass sich das Fleisch auch so von selbst verkauft. Es ist billig und „es schmeckt einfach verdammt gut“.

Fazit

Für eine Tierliebhaberin wie mich, die versucht sich vehement gegen den Fleischkonsum und die Tierindustrie zu wehren, ist dieser Film unwahrscheinlich wichtig. Weil er trotz der leichten Disney-/Animations-Schiene realistisch ist und ein wichtiges Problem thematisiert: den Fleischkonsum der Gesellschaft auf Kosten fühlender, lebenden Tiere. Und das nur für 10 Sekunden Geschmack und einen vollen Geldbeutel der Fleischproduzenten.
Die zwei Stunden und eine Minute sind es sowas von Wert! Und: wer nach diesem Film immer noch guten Gewissens Fleisch isst, ist genauso krank, wie Mirando.

P.S. Ich bin zwar sehr nah am Wasser gebaut, kann mir aber vorstellen, dass bei allen ein oder zwei Taschentücher ganz hilfreich wären!



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.